Sonntag, 19. April 2015

Leistung, Leistung, Leistung- und wo bleibt man selbst?

Wir leben in einer Gesellschaft in der eine gute Leistung zu erbringen das Lebensmotto Nummer eins geworden ist . Klar, wir wünschen auf jeder Geburtstagskarte Glück, Gesundheit und man soll bleiben wie man ist und machen uns vor, dass wir es Ernst meinen würden. Aber es ist doch so: diese 3 Wünsche hinzuschreiben ist schon lange eine Sache von Höflichkeit geworden. Definieren tun wir uns doch in dieser Zeit über Leistung. 

Leistungen, die Online in Klicks, Followern, Likes, Dislikes gewertet werden. Offline werden wir schon lange in Noten oder Kilos bewertet. 



Doch wie gesund kann das sein? Mein letzter Post ist schon über einen Monat her und innerlich baute sich dieser Druck auf, wieder regelmäßig etwas zu schreiben. Ich rede von diesem gewissen Erwartungs- und Leistungsdruck, den wir früher oder später alle erfahren werden. 
Wer in Instagram über 1000 Follower erreicht wird noch mehr verstehen was ich vor allem im Internet meine. Man steht, egal ob man es sich eingestehen will oder nicht, in einem stetigen Konkurrenunzdruck mit den Anderen. Das Wissen ein Account von vielen zu sein spornt einen zu Höchstleistungen an. Statt etwas mit Freunden zu machen fotografieren wir als ginge es um unser Leben. Statt zu schlafen posten wir etliche Contests nur um 20 Follower mehr zu bekommen, die oftmals dann auch noch passiv bleiben oder einem nach 10 Minuten entfolgen. Wir sind immer erreichbar. Wer nicht einmal am Tag mindestens eins Bild postet läuft Gefahr vergessen zu werden. Klingt völlig wahnsinnig, ist es auch.

Aber selbst diejenigen unter uns, die sich Online gegen den Druck währen können stoßen im wahren Leben an ihre Grenzen. 
Wir werden an unseren Noten und Abschlüssen bewertet- ein Realschulabschluss ist nicht mehr halb so viel wert wie noch vor 10 Jahren. Unter Hauptschülern verstehen wir heutzutage die Menschen am Rande der Gesellschaft. Abitur zu machen wird Vorraussetzung für eine halbwegs erfolgreiche Zukunft oder sagen wir eher, Abitur ist Vorraussetzung für überhaupt eine Zukunft. Was das bedeutet durfte ich vor einem Monat am eigenen Laib erfahren. Meine schriftlichen Prüfungen standen an und der Druck war unbeschreiblich hoch. Wie sollte es auch anders sein? Da entscheiden Prüfungen von 5 Stunden ob sich 12 Jahre büffeln gelohnt haben. In dieser Zeit war keiner von uns mehr normal. Ein halbes Jahr haben wir fast für diese Prüfungen gelernt. Ich war selten so verzweifelt wie in dieser Zeit , denn je näher der so genannte Termin kommt desto größer werden die Versagensängste. Wir alle haben uns gefragt ob sich das lohnt und ob wir überhaupt gut genug sind. 
Es ist jetzt einen Monat her seit ich meine Schriftlichen geschrieben habe und ich habe mich immer noch nicht ganz regeneriert, keiner von uns hat das. Man schreibt die restlichen Prüfungen nur noch um sie nie wieder schreiben zu müssen und man betet, dass man es bald hinter sich hat. Da stellt sich doch die Frage: Leistung um jeden Preis?

Doch es gibt noch ein viel präsenteres Beispiel: das Gewicht. Wir verurteilen die Magermodels und Menschen mit Größe Size Zero, doch stellen wir uns jeden Morgen auf die Waage um die Realität zu sehen. Wir streben die Größen XXS bis S an, und streiten uns darum ob eine 38 schon zu M oder noch zu S gehört. Denn leider ist es so, dass jemand mit Größe M schon als pummelig gewertet wird. Gesund ist das nicht, es ist auch nicht vorhergesehen von der Natur, aber es ist ein Ideal unserer Gesellschaft.
Uns schauen jeden Tag die Bikinimodels von Plakaten an, die kein Gramm zu viel haben sondern eher ein paar zu wenige und fühlen uns nicht dick- wir fühlen uns Fett

Zu lernen, dass das alles nicht mehr normal ist dauert und es braucht Überwindungskraft, denn die größten Kritiker sind wir selbst. 

Und so sollten wir versuchen Stolz auf uns zu sein, auf unsere Leistungen- denn wir leisten alle. Und niemand kann beurteilen, welche Leistungen das größte bedeuten, außer jeder Einzelne für sich selbst.
Und so mag auch ich versuchen mich nicht mehr schuldig zu fühlen, wenn mein Blogpost erst nach Wochen kommt oder ich dem Schokoladeneis nicht widerstehen konnte.

Leistungen können uns weiter bringen, sie sollten aber niemals unser Leben bestimmen.


xxx, Becci

Kommentare:

  1. Ich find diesen Post wunderbar, wahrheitsgetreu und es ist schön, nicht imemr nur Hauls, Outfits und Co zu sehen, sondern zu merken das die schöne Fassade auch ein Hirn dahinter hat. bei manchen Bloggern kommt das leider nie zum vorschein. PRO GESELLSCHAFTSKRITISCHE TEXTE! Gefällt mir echt gut, gerne öfter :-)

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    1. Liebe Liz:) Das freut mich doch sehr zu hören und ich werde deinen Kommentar gerne als Ermutigung nehmen, mehr solcher Artikel zu verfassen. xxx, Becci

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